MITTELDEUTSCHE ZEITUNG , 31. Januar 2013

Winzer stellt Sekt auf traditionelle Weise her

VON DANIELA KAINZ, 30.01.13
Carmen Lenke
Carmen Lenke hat den Dreh zur Sektherstellung raus. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK)
ROLLSDORF/MZ. Immer schön schütteln und drehen: Im Weinkeller von Winzer René Schwalbe geht es rund. Die Pirouetten dreht der Rollsdorfer Kellermeister nicht selbst. Nein, dieser Bewegungsablauf trifft vielmehr auf die langhalsigen Flaschen zu, in denen Sekt aus seinem Hause heranreift.

Das edle Getränk stellt Schwalbe nach dem traditionellen Verfahren der Flaschengärung her. Die Flaschen steckt er dafür kopfüber in ein Rüttelpult. Insgesamt 240 Exemplare haben darin Platz. "Das Pult ist genauso so eines, wie es für die Champagnerherstellung in Frankreich verwendet wird", sagt Winzer Schwalbe.

Einmal täglich steigt er oder seine Lebensgefährtin Carmen Lenke hinab in den Weinkeller, um jede einzelne Flasche aus dem Pult zu nehmen, zu rütteln und um einen bestimmten Winkel zu drehen. Die Flaschen werden danach immer steiler gestellt. Die gesamte Prozedur zieht sich über 21 Tage hin und stellt den Abschluss der Sektherstellung dar.

Winzer Schwalbe: "Durch das Drehen, Rütteln und Neigen setzt sich die Hefe am Flaschenhals ab." Im Flaschenhals selbst bildet sich ein Hefepfropf, der später beim Öffnen des Kronkorkens und dem Wiederverschließen der Flasche komplett entfernt wird.

Vor der Schüttelkur hat der künftige Sekt schon einen neunmonatigen Gärungsprozess im kühlen Weinkeller hinter sich gebracht. Diese Lagerzeit ist vom Weingesetz vorgeschrieben. Die Trauben für den Sekt des Winzers stammen von der Sorte Weißburgunder aus dem Jahre 2003. In insgesamt 1 000 Flaschen hat er den künftigen Tropfen abgefüllt.

Der Sekt vom Weingut "Rollsdorfer Mühle" wird in den beiden Geschmacksrichtungen "brut" und "extra brut" angeboten.

Kenner wissen, dass diese prickelnde Gaumenfreuden den Geschmacksnoten "herb" und "extra herb" entsprechen.

 

AnbauZwölf verschiedene Sorten

ROLLSDORF/MZ. Auf den Weinbergen vom Weingut "Rollsdorfer Mühle" des Winzers René Schwalbe reifen auf insgesamt 4,5 Hektar Fläche sieben weiße und fünf rote Sorten Wein.

Seit dem Jahr 2000 hat das Weingut "Rollsdorfer Mühle" auch einen Weinberg auf einer ehemaligen Braunkohleabraumhalde. Im Jahr 2004 erhielt diese eine eigene Lagebezeichnung: "Stedtener Pastorenstieg". Die Weine von dort befinden sich zumeist im Prädikatsbereich.

Die Redensart "Eine Flasche köpfen" stammt vom Verfahren, mit dem Säbel (Champagnersäbel) schräg am Hals entlang an den dickeren Flaschenkopf zu schlagen. Das Köpfen mit einem Säbel bezeichnet man auch als Sabrieren. Bei geübter Ausführung reißt der Hals an der dünnsten Stelle direkt unter dem Kopf glatt ab.