Mitteldeutsche Zeitung, Bernburg 19.07.2012

 

Weinprobe an der Rollsdorfer Mühle

Weinprobe an der Rollsdorfer Mühle

Über eine Reise zum Weingut Rolls-dorfer Mühle:

Am Sonntag unternahm die Fachgruppe "Weinbaufreunde Bernburg - Untere Saale" des Bernburger Heimatkreises nebst einigen Gästen die Fachexkursion des Jahres 2012 in das Weingut Rollsdorfer Mühle, Teil der Weinstraße Mansfelder Seen innerhalb des Weinbaugebietes Saale-Unstrut. Die Busfahrt ging durch das Mansfelder Land, vorbei am "Süßen See". Der Busfahrer folgte gefällig der gut ausgebauten Straße auf die weinbekränzten Höhen und landete zunächst im wohlbekannten Weinort Höhnstedt. Im ersten Punkt des Programms, der Weinbergwanderung, wurde die Lage von Rollsdorf klar. Der kleine Ort befindet sich in absoluter Tallage am Ufer des Kerner Sees ganz am Fuße der Weinberge. Diese wiederum beeindruckten die Teilnehmer durch die enorme Ausdehnung der Reblagen "Kelterberg" und "Kreisberg", was sich auch auf Höhe und Steilheit bezog. "Oh, fast wie an der Mosel", ließ sich mancher vernehmen. Auch die Anbaumethode der Rebstöcke an Langreihen durch pfahlgestützte Drähte, der so genannten "Drahterziehung", fand Bewunderung. Winzereibetreiber und Kellermeister René Schwalbe kombinierte dann Vorstellung und Verkostung der Weine mit einem ausgedehnten Winzermahl, das heißt beides wurde abwechselnd serviert, erläutert und gegebenenfalls diskutiert.

Nach einem Beginn im Sonnenschein auf der Freiterrasse scheuchte der im Juli 2012 wohl unvermeidliche Regenschauer die Gäste aus Bernburg hinab in den Weinkeller. Dieser verlieh allerdings mit seinem grandiosen sieben Meter hohen Tonnengewölbe und der angeordneten Kerzenbeleuchtung dem Weingenuss eine besondere Weihe. Hier ging nun keiner mehr hinaus, auch wenn später die Sonne zurück kam. Der Kellermeister servierte und erläuterte insgesamt folgende Getränke: Weißweine mit Müller-Thurgau (2008), Rivaner und ein Cuvée aus Weißburgunder/Silvaner/Riesling (2010), ein sehr heller Roséwein aus Frühburgunder-Weißherbst und schließlich die Rotweine aus Blauem Zweigelt und Saint Laurent (beide 2008). Alle Weine erwiesen sich als qualitätsvoll ausgebaut und machten dem Kellermeister wohlverdiente Ehre.

Die Fachdiskussionen setzten spätestens mit der Vorstellung der Rotweine ein und wurden im Rahmen der zwischenzeitlich durchgeführten Kellerei- und Betriebsbesichtigung besonders intensiv. Zum entspannten Abschluss kam es beim Kaffeetrinken mit Kuchen und Torten, die lecker wie immer von den Weinbauerinnen aus Bernburg mitgebracht wurden. Ein herzliches Dankeschön ihnen an dieser Stelle.

Als Zugabe schenkte der Winzer noch einen Rotwein ein - nicht ohne List, denn er wollte testen, ob die Bernburger die Rebsorte erraten würden. Es war ein "Mitschurinski", eine zu DDR-Zeit aus der Sowjetunion eingeführte Rebsorte mit beachtenswerten Qualitäten. Er ist den Bernburger Kleinwinzern durchaus bekannt aus früheren Landschaftswande-rungen durch das Grübsche Tal bei Strenznaundorf und nach Gnölbzig zur Touristenstation. Nachdem sich mancher noch mit Flaschenware aus dem Weinbasar der Kellerei versorgt hatte, ging es am späten Nachmittag in bester Stimmung und froher Laune heim nach Bernburg.

Bernhard Gremler, Bernburg