Der Deutsche Weinbau · 18.9.2009 · Nr. 19

Weinbau auf der Braunkohlenhalde im Weingut Rollsdorfer Mühle

Die ROMONTA GmbH Amsdorf (Sachsen-Anhalt), in Sichtweite des Süßen Sees, blickt auf eine lange Tradition des Braunkohleabbaus und der Veredlung zurück. Hier wird eine besonders wachshaltige Braunkohle abgebaut und veredelt. Im Geschäftsjahr 2006 setzte der Betrieb 21.075 t Rohmontanwachsprodukte ab. Dafür war es notwendig, ca. 500.000 t Rohbraunkohle zu fördern und etwa 4 Mio mΔ Abraum zu bewegen. Für die gesamte Unternehmensgruppe (inkl. Tochtergesellschaften) am Standort Amsdorf waren zum Jahresende 2007 insgesamt 484 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, so dass es sich um einen der größten Arbeitgeber in der Region handelt. Die strengen Umweltauflagen bringen es mit sich, dass jährliche Begrünungs- und Aufforstungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Im Jahre 1998 wurde eine Projektidee geboren, bei der die Auswirkung von Weinbau mit seinen spezifischen Kulturmaßnahmen auf die Fauna und Flora untersucht werden sollte. Nachdem der Projektträger absprang, haben sich der damalige Geschäftsführer der ROMONTA GmbH, Günther Stieberitz, René Schwalbe vom Weingut Rollsdorfer Mühle und der Vorgänger des Mitteldeutsches Instituts für Weinforschung entschlossen, das Vorhaben privatwirtschaftlich durchzuführen.
Unter Berücksichtigung der bestehenden Bodenverhältnisse in der Bergbaufolgelandschaft wurde eine nach Süden geneigte Fläche ausgewählt, die über den Kohleresten Kiese und Sande und als Deckschicht Geschiebemergel trug. Mittels schwerer Technik der ROMONTA GmbH erfolgte im Jahr 2000 die Planierung eines circa 25° geneigten Hangs. Die Fläche musste zunächst gegen Wildschäden an den Pflanzen mittels Zaun gesichert werden. Bodenuntersuchungen ergaben nicht die vermuteten hohen Schwefelwerte, vielmehr zeigte sich durch die hohen pH-Werte zwischen 7,6 und 8,2 ein ausgeprägter Phosphor-Mangel. Der Bedarf wurde innerhalb zweier Jahre durch Einbringung von jeweils 140 kg P2O5/Jahr abgedeckt. Heute ist die zwei Hektar große Fläche mit Müller-Thurgau, Silvaner, Weißburgunder, Kerner, Elbling, Dunkelfelder und Portugieser bestockt. Durch die windexponierte Lage ergeben sich hinsichtlich des Pilzbefalls Vorteile, da die Pflanzen nach Niederschlägen sehr schnell abtrocknen. Somit hält sich der Fungizideinsatz in Grenzen. Die ROMONTA GmbH wiederum nutzt die Lage für die Gewinnung von Windenergie. Bemerkenswert ist auch die Qualität der erzeugten Weine und Moste. Es werden immer Weine hoher Prädikatsstufen geerntet, wobei die Mostgewichte oft höher sind als die der gleichen Sorte im circa 15 km entfernten Weinbaugebiet um Rollsdorf. Demgegenüber weisen sie höhere Säurewerte auf. In Abbildung 1 sind die Mostgewichte aus Trauben der Tagebaufolgelandschaft denen der „alten Weinflächen“ gegenüber gestellt. Die Werte der „Romontareben“ aller Sorten lagen bis auf den Portugieser 2005 immer im Spät-/Auslesebereich. Rekordverdächtig sind dabei die 100 °Oe vom Herbst 2006 mit der entsprechenden ungewöhnlich dunklen Farbe. Auch Dunkelfelder oder der Weiße Elbling erreichten hier interessante Qualitäten. Von der letztgenannten Sorte waren die 101° Oe und dessen verführerischer Duft nach tropischen Früchten ebenfalls ungewöhnlich. In dem zum Saale-Unstrut-Gebiet gehörenden Bereich Mansfelder Seen ist Weinbau erstmals urkundlich 973 belegt. Es gedeihen auf ca. 100 ha Reben an klimatisch begünstigten Standorten der Buntsandsteinböden. Die Einführung des Bereiches Mansfelder Seen und die Eröffnung einer Weinstraße gleichen Namens im Mai 2003 haben den Tourismus angekurbelt. Die Weine aus der Bergbaufolgelandschaft werden mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal unter der Lage Stedtener Pastorenstieg vermarktet. Ein Glücksfall, sowohl für die Weinbereitung als auch für die Vermarktung, stellen die historischen Gewölbekeller dar, in denen früher der Wein für den Kelterbezirk Rollsdorf des Klosters Helfta ausbaut wurde. Hier herrschen konstante Temperaturen von ca. 10° C, so dass die Weine kalt vergären. Somit ist also das Experiment nicht nur gelungen, es werden auch außergewöhnliche Weine produziert.

Text und Abbildungen:
Dr. Klaus Epperlein (links), Hochschule Anhalt, Mitteldeutsches Institut für Weinforschung und Uwe Zeihser, Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung, BTU Cottbus

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