Mitteldeutsche Zeitung

 

Städtepartnerschaft Ufa

16.07.2002

Studenten versuchen sich als Winzer

 

15 Baschkiren zur Stippvisite mit einer Weinprobe

Von Daniela Kainz

Rollsdorf/MZ. An die Tür von Winzer René Schwalbe klopfen immer wieder Besucher. Sie wollen in seinen Weinkeller hinabsteigen oder auf seine Weinberge klettern, um die Reben reifen zu sehen. Die neugierigen Zeitgenossen kommen zumeist aus dem Mansfelder Land, dem Saalkreis und der Stadt Halle. Mitunter sind die Ausflügler auch in anderen Landstrichen Sachsen-Anhalts und sogar in anderen Weinanbauregionen der Bundesrepublik zu Hause. So weit gereiste Gäste wie jetzt begrüßt der junge Mann allerdings höchst selten: 15 Studenten aus Ufa (Baschkirien) begleiteten ihn einen Tag lang bei seiner Arbeit. Die Frauen und Männer sahen ihm nicht nur über die Schulter, sondern packten auch kräftig mit zu

Ihre Stippvisite ist über die seit Jahrzehnten bestehende Städtepartnerschaft zwischen Ufa und Halle zustande gekommen. Die angehenden Germanisten, Juristen und Journalisten halten sich zurzeit auf einer zweiwöchigen Rundreise durch Deutschland auf. Neben den Städten Dresden und Leipzig wollten sie auch das nördlichste Weinanbaugebiet am Süßen See kennen lernen.

Winzer Schwalbe hielt mit seinen Geschichten rund um den Wein nicht hinter dem Berg. Er berichtete den erstaunten Zuhörern beispielsweise, dass in der Region auf einer Fläche von etwa 60 Hektar Wein gedeiht. Schwalbes eigene Rebstöcke stehen auf einer Fläche von vier Hektar - sieben weiße und zwei rote Sorten. Der Winzer verriet den Gästen auch die Besonderheit seines alten Weinkellers. Die gleichbleibende Temperatur im Gewölbe von 10 Grad Celsius garantiere eine langsame Gärung, bei der wertvolle Bukettstoffe im Fass blieben. Aber nicht nur im Fass, sondern auch im speziellen Edelstahltank würden die Rebensäfte des Weingutes heranreifen. 

Wie es ist, als Winzer in den Weinbergen zu arbeiten und welche Mühe die einzelnen Handgriffe bereiten, konnten die jungen Leute auch gleich einmal ausprobieren. Für etwa zwei Stunden unterstützen sie Schwalbe bei der Arbeit. "Geerntet wird jetzt natürlich noch nicht, dafür etwas gedüngt", erklärte Winzer Schwalbe vorab. Laub, das auf dem Boden lag, wurde von den Besuchern aus Ufa auch zusammengetragen. 

Nach getaner Arbeit kamen die Leute aus Baschkirien auf den Geschmack. Neugierig auf Schwalbes Wein geworden, kosteten sie in gemütlicher Runde von den Rebensäften. Am späten Abend setzten sie ihre Reiseroute quer durch Deutschland fort.