Mitteldeutsche Zeitung
Mansfelder Zeitung 04.08.2009

Prosit mit einem trockenen Tropfen

Winzer luden in ihre Straußenwirtschaften ein - Anbau auf knapp 100 Hektar

VON HELGA LANGELÜTTICH

Auch diese Kindergärtnerinnen haben sich mit einem guten Tropfen zugeprostet.(FOTO: MAIK SCHUMANN)

ROLLSDORF / MZ. Zum dritten Male hatten die Winzer zum Tag des offenen Weinbergs eingeladen, und bei strahlendem Sonnenschein waren viele Weinfreunde der Einladung gefolgt, um zu schauen, zu kosten - und sich dann den von ihnen erwählten guten Tropfen mit nach Hause zu nehmen.
Dass es in dieser Region Weinanbau auf etwa 96 Hektar in günstiger Lage gibt, war vielen Besuchern nicht bekannt. Schon vor 11 Uhr waren Christine und Jürgen Woithe aus Schochwitz auf dem Weg zum Weinkeller der Rollsdorfer Mühle. "Wir haben von diesem Tag des offenen Weinbergs in der Zeitung gelesen - und so nutzen wir das schöne Wetter, um mal zu schauen und zu kosten", so Frau Woithe, die den Wein gern trocken trinkt, während sich Ehemann Jürgen doch lieber ans Bier hält. Roland Wagner aus Wiederstedt war nicht zum ersten Male in Rollsdorf, und er erwies sich als Weinkenner, der erst in Ruhe probiert, ehe er seine Wahl trifft. Die Auswahl ist groß, die Liste der Weinsorten lang. Am meisten würden trockene Weine gewünscht, sagt Olaf Richter, der Rene Schwalbe hilft, den Andrang der Weinfreunde zu bewältigen und die vielen Fragen zu beantworten, die immer wieder gestellt werden.
Da gibt es Müller Thurgau, Silvaner oder Riesling. Es überwiegen die Weißweine, aber auch Rotweine trocken und halbtrocken konnten probiert werden. Beim Silvaner Spätlese, Elbling Spätlese oder Müller Thurgau Spätlese halbtrocken sowie weiteren Sorten taucht neben dem Namen die Bezeichnung "Stedtener Pastorenstieg" auf. Diese Sorten sind das Ergebnis eines Experiments: Seit 2000 wurden Reben auf einer ehemaligen Braunkohleabraumhalde gesetzt, und das mit großem Erfolg, die Weine von dort sind meistens im Prädikatsbereich. "Das Ganze hat eigentlich als Experiment begonnen", erzählt Winzer Rene Schwalbe. Vier Freunde, alle Landwirtschaftsstudenten, erwarben einen alten Weinberg, um lediglich Wein für den Eigenbedarf zu erzeugen. Bis auf Rene Schwalbe gaben die übrigen Freunde auf, denn ein Winzer hat kein leichtes Leben, zudem war nicht klar, ob sich die Arbeit auch finanziell rechnen würde. Doch Schwalbe machte das, was als Hobby begann, zum Beruf. "1993 haben wir mit einem Weinberg angefangen. 2000 habe ich mich selbständig gemacht, noch Weinberge zugekauft und kann nun von meiner Arbeit leben", so der 41-jährige.
Er sagt, dass die Weinkeller die gleichen Qualitätsansprüche erfüllen müssen wie die Reben. So hat der Schwalbesche Gewölbekeller eine gleichmäßige Temperatur von zehn Grad Celsius. Das sei die Voraussetzung für eine langsame Gärung. Zwar wird Wert auf bewährte Tradition gelegt, doch auch auf moderne Kellertechnik gesetzt. Stolz ist Vater Fritz Schwalbe, gelernter Zimmermann, auf den Erfolg des Sohnes, und hilft mit Mutter Marika, wenn wie an diesem Wochenende Hilfe gebraucht wird.
"Kellergeist" Fritz macht Führungen durch die Anlagen und beantwortet viele Fragen. Er erinnert an die Anfänge, als der erste Weinberg von Hand bearbeitet werden musste, weil er so steil war. "Das war harte Arbeit. Die jetzt bewirtschafteten fünf Hektar können aber maschinell bewirtschaftet werden," sagt er. Allerdings ist die Weinlese Handarbeit: Die Trauben werden von Hand gelesen.
Bei Wein und Imbiss saßen gemütlich Uwe und Silvia Mowwe aus Merseburg gemütlich im Schatten. "Wir waren insgesamt schon viermal hier. Uns gefällt es hier besser als in Freiburg, denn dort fehlt die Gemütlichkeit, die wir hier finden. Und jetzt wollen wir noch zu möglichst vielen Straußenwirtschaften wandern", sagt Frau Mowwe.