Mitteldeutsche Zeitung 12.06.2015
Eisleben

Pflanzung bei Unterrißdorf

Luther-Wein an kalter Stelle


Auf dem steilen Hang oberhalb der „Kalten Stelle“ bei Unterrißdorf bringen Thomas Prill und Andreas Bienert die jungen Rebpflanzen der Sorte Elbling in die Erde.
(BILD: Jürgen Lukaschek)

Von Wolfram Bahn

Winzer Schwalbe aus Rollsdorf bepflanzt am Rastplatz bei Unterrißdorf eine Lage mit „Elbling“. Die Feuerwehr muss aufgrund des trockenen Bodens derweil Wasser für die jungen Reben spenden.

Unterrißdorf.
Nun hat das Reformationsfieber auch Renè Schwalbe gepackt. Auf einer Steillage bei Unterrißdorf will der Winzer aus Rollsdorf einen Luther-Wein kreieren.
Älteste deutsche Weinsorte
Der Elbling ist eine Weißweinsorte. Er gilt als die älteste Weinsorte Europas. Bereits von den Römern im Moselgebiet angebaut, war er bis ins Mittelalter auch die häufigste Rebsorte in den deutschen Anbaugebieten. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Elbling mehr und mehr von den Sorten Riesling und Silvaner verdrängt. Als reichhaltiger Traubenträger war er früher beliebt bei denen, die den Zehnten, eine Art Steuer an den Grundherren, in Wein entrichten mussten. Die Traube ergibt einen trockenen und unverfälschten Weißwein, der sich auch hervorragend zur Sektherstellung eignet.

450 Pflanzen der Rebsorte Elbling hat er dort auf knapp einem Viertel Hektar Fläche jetzt aufgerebt. Sowohl die Auswahl des Standortes als auch der Rebsorte geschahen nicht zufällig. „Beides hat was mit Martin Luther zu tun und passt deshalb bestens zum Reformationsjubiläum 2017“, so der Inhaber des Weingutes „Rollsdorfer Mühle“. Der Steilhang, auf dem Schwalbe und seine Helfer his gestern mühevoll insgesamt 450 junge Pflanzen in den knochenharten Boden brachten, liegt nämlich genau über dem Rastplatz „Wo Luther fror“. Er ist eine Station auf dem Lutherweg, der von Wittenberg aus über Halle, Eisleben und Mansfeld bis nach Worms und Augsburg führt. Die „Kalte Stelle“ heißt der windige Ort im Volksmund, obwohl der Hang beste Südlage ist. Eine Hinweistafel erinnert daran, dass sich der Reformator hier am 28. Januar 1546 ausruhte, ehe er sich aufmachte, einen Streit der Mansfelder Grafen zu schlichten. Die Strapazen der Reise aus Wittenberg waren für den damals 62 Jahre alten Prediger vermutlich zu groß. Am 18. Februar starb er im Stadtschloss der Grafen am Eisleber Markt. Traditionsreiche Rebsorte Es könnte sein, dass Luther beim letzten Aufenthalt in seiner Geburtsstadt ein Glas Elblingwein getrunken hat. „Diese Reborte hat es auch damals schon gegeben“, weiß Schwalbe. Deshalb lag es nahe, diese Sorte für seinen Luther-Wein zu verwenden. Er selbst hat schon eine Abraumkippe von Romonta mit Elbling erfolgreich aufgerebt. Diesen Wein vertreibt der Winzer unter dem Namen „Stedtener Pastorenstieg“. Auch der Wein von der Steillage bei Unterrißdorf, die Schwalbe von einem anderen Pächter übernommen hat, soll exklusiven Zwecken dienen.


Weil der Boden wegen des fehlenden Regens ziemlich trocken ist, hilft Jörg Sommer von der Feuerwehr Helfta mit Wasser aus.
(BILD: Jürgen Lukaschek)

Wenn alles gut geht, kann der Rollsdorfer Winzer zum Reformationsjubiläum schon die erste Lese einfahren. „Mehr als ein paar kleine Flaschen werden es aber wohl nicht werden“, sagt Schwalbe. Der Elbling bekommt nach seinen Worten durch den Buntsandstein-Verwitterungsboden mit dem leichten Lößeinschlag, auf dem er wächst, eine ganz besondere Note. „Es wird ein fruchtig frischer Sommerwein“, schwärmt Schwalbe.


Dort, „wo Luther fror“, ist ein Rastplatz.
(BILD: Jürgen Lukaschek)

Sein Vorhaben wird von der Standortmarketinggesellschaft des Landkreises und der Lutherstadt Eisleben unterstützt. Sie geben das Geld für eine Einfriedung des Weinberges. Schon beim Aufreben leisteten die Stadt und die Ortsbürgermeisterin von Unterrißdorf praktische Hilfe. Sie schickten die Feuerwehr aus Helfta und weitere Helfer, um die jungen Rebstöcke anzugießen. „Allein hätten wir das nicht geschafft“, so Schwalbe. (mz)

Älteste deutsche Weinsorte
Der Elbling ist eine Weißweinsorte. Er gilt als die älteste Weinsorte Europas. Bereits von den Römern im Moselgebiet angebaut, war er bis ins Mittelalter auch die häufigste Rebsorte in den deutschen Anbaugebieten. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Elbling mehr und mehr von den Sorten Riesling und Silvaner verdrängt. Als reichhaltiger Traubenträger war er früher beliebt bei denen, die den Zehnten, eine Art Steuer an den Grundherren, in Wein entrichten mussten. Die Traube ergibt einen trockenen und unverfälschten Weißwein, der sich auch hervorragend zur Sektherstellung eignet.