Wochenspiegel Mansfelder Land, 30. Januar 2013

Kontrolliertes Nichtstun

René Schwalbe
Bei der ersten Kostprobe des 2012er Riesling ist für René Schwalbe bereits klar: 2012 war zwar kein ertragreiches Jahr, aber dafür sind die Weine geschmacklich gesehen etwas ganz Besonderes. Bis diese fertig sind, bedarf es jedoch noch etwas Zeit. Foto A.Radigk

Rollsdorf (ar). Auf die Frage, was denn ein Winzer so im Winter zu tun habe, antwortet René Schwalbe, Winzer des Weingutes Rollsdorfer Mühle, mit einem Schmunzeln: „Es ist ein kontrolliertes Nichtstun.“
Natürlich ist es weitaus mehr. Für den Rebschnitt, der An­­fang des Jahres fällig ist, ist es zwar noch zu kalt, doch der Winzer hat auch in seinem Weinkeller allerhand zu tun. Bei den Jungweinen von 2012 ist die Gärung mittlerweile abgeschlossen und sie sind nun bereit zur Weiterverarbeitung. Da ist es gut, dass René Schwalbe sich nun auch ausreichend Zeit für die Weine nehmen kann. Und nach den ersten Geschmacks­proben steht bereits fest: Es werden sehr dichte Weine und interessant im Geschmack. Das liegt unter anderem daran, dass die Ernte des letzten Jahres nur ein Drittel des möglichen Ertrages war und ein Rebstock in weniger Trauben mehr Energie und Nährstoffe stecken kann.
Daneben müssen die Barrique-Weine, die seit 2009 in Eichenfässern la­­gern, zusammengefügt und füllfertig gemacht werden. Das erfodert einiges an Erfahrung. Ebenso sind die Brände, die seit drei Jahren in Fässern lagern, zum Abfüllen in Flaschen bereit.
Zeit, Geduld und Erfahrung sind gleichwohl bei der Herstellung des Winzersektes vonnöten. Nach der zweiten Gärung werden die Flaschen nun kopfüber in sogenannte Rüttelpulte gestellt (siehe kleines Foto) und über einen längeren Zeitraum hinweg nach einem bestimmten Schema gedreht und immer steiler gestellt, bis sich die Hefezellen vollständig am Flaschenhals abgesetzt haben und entfernt werden können.
Des Weiteren werden die 2011er Weine abgefüllt und etikettiert, Proben zu den Laboren ge­­schickt, die Vermarktung vorangetrieben, der Inter­­net­auftritt gepflegt und verwaltungstechnische Arbeiten erledigt.
Nun ist auch Zeit, an neuen und an bereits bestehenden Projekten zu arbeiten, wie zum Beispiel „Breitengrad 51“. Hier schlossen sich vergangenes Jahr acht Winzer der Weinregion Saale-Unstrut zusammen. Jedes Jahr wollen sie acht Spitzenweine auswählen, die die besondere Lage der nördlichsten Weinregion Deutschlands bestens repräsentieren. „Wir treffen uns, beraten über die Weine und tauschen uns aus. Jetzt haben ja alle Zeit dafür“, so Schwalbe. Nachdem letztes Jahr acht Weißweine ausgewählt wurden, werden für dieses Jahr acht Rotweine angestrebt, doch erst nach einer eingehenden Prüfung.
Natürlich gilt es auch, sich auf das Frühjahr in den Weinbergen vorzubereiten, in der Hoffnung, dass 2013 ertragreicher wird.