MITTELDEUTSCHE ZEITUNG Hettstedt, 31. Januar 2014

Mansfelder Seen Frost zu spät für Eiswein

René Schwalbe misst die Gesamtsäure der Weine in den Edelstahlfässern.  (BILD: JÜRGEN LUKASCHEK)
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„Rollsdorfer Mühle“ verzichtet in diesem Jahr auf das edle Getränk. Für den Weinbauer René Schwalbe gibt es trotzdem allerhand zu tun.
Rollsdorf/MZ

„Eiswein? Die Zeit ist vorbei“, winkt René Schwalbe ab. Ohnehin hat der Besitzer des Weinguts „Rollsdorfer Mühle“ in diesem Jahr von Anfang an beschlossen, auf die Herstellung dieses hochwertigen natursüßen Weins zu verzichten. Die Wetteraussichten sein zu ungewiss. Eine Eiswein-Lese finde idealerweise im November statt. Man brauche aber an mindestens zwei Tagen die Lufttemperatur von mindestens zehn Grad minus. Die Wahrscheinlichkeit, diese Bedingungen in einem November zu haben, ist in diesen Breiten nicht groß.

Länger zu warten lohne sich kaum, die Beeren fangen an zu faulen. Überhaupt sei Eiswein ein Risiko für den Weinbauer. Der Ertrag bei Eisweinbeeren liege bei einem Drittel, manchmal sogar bei nur einem Viertel der Normalernte. Da müsste die Flasche mindestens 50 Euro kosten. Ob man den Wein für den Preis loswird, ist da die Frage.

Kein Eiswein also und Schnee auf den Weinbergen. Viel zu tun haben die Weinbauer im Winter wohl nicht? Gegen diese Frage wehrt sich René Schwalbe. Und zählt auf, wofür er und seine Kollegen in dieser Zeit kümmern müssen.

Zum Beispiel um die Weine des Jahrgangs 2012 und 2013. „Hier, in diesen Fässern, sind sie abgefüllt“, zeigt Schwalbe auf Edelsteingefäße in seinem großen Weinkeller mit eineinhalb Meter dicken Mauern aus Sandstein. Der Zustand der Weine wird laufend analysiert - mit Hilfe des eigenen Gaumens und natürlich in einem Labor. Von den Ergebnissen hängt ab, wann sie in Flaschen abgefüllt werden können. „Jetzt beginnen wir auch mit dem Verschnitt der Reben“, erläutert der Weinbauer weiter. Bei einer Fläche von insgesamt fünf Hektar ist das eine Menge Arbeit.

In seinem Weinkeller hat René Schwalbe auch gewisse Raritäten stehen. Zum Beispiel Sekt aus Weinbeeren des Jahrgangs 2003. Flaschengärung. Jeden Tag müssen die Flaschen gedreht und geschüttelt werden. Das Resultat kann sich jeder, der will, schmecken lassen. Der Winzersekt Weissburgunder 2003, extra trocken, ist zu kaufen, hat allerdings seinen Preis: 30 Euro pro Flasche. Zum Vergleich: Der Preis für normale Weine liegt bei Schwalbe zwischen 5,50 und 15, 50 Euro. Unweit vom Sekt stehen Eichenholzfässer, sogenannte Barrique-Fässer, innen ausgebrannt, mit besonderem Weinbrand aus der Rebsorte Weißburgunder. Sechs Jahre Lagerzeit hat das edle Getränk hinter sich und ist 45 Alkohol-„Umdrehungen“ stark. Demnächst wird es in Flaschen abgefüllt und verkauft.

Auch in diesem Jahr will die „Rollsdorfer Mühle“ übrigens jedermann zu Verkostungen einladen. Zahlreiche Veranstaltungen rund um den Wein gibt es an der gesamten Weinstraße „Mansfelder Seen“.

Informationen im Internet unter:

www.weingut-rollsdorfer-muehle.de
www.weinstraße-mansfelder-seen.de