Mitteldeutsche Zeitung 

Forschungsstation in Dornstedt 15.08.2002
«Regen-Jäger» untersuchen Wetterfolgen
Erkenntnisse stossen bundesweit auf großes Interesse
Von Ralf Böhme

Halle/Saalkreis/MZ. Als wetterkundlich und geografisch am besten untersuchtes Gelände in Sachsen-Anhalt gilt der neue Weinberg auf der alten Bergbaukippe bei Dornstedt. Neueste Messtechnik erfasst praktisch jeden Regentropfen, jedes Lüftchen und sogar jede Erdkrume, die sich auf dem Steilhang bewegt. Die Forschungsergebnisse, die Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität seit drei Jahren zusammengetragen haben, stoßen bundesweit auf Interesse.

Als Ereignis mit den bisher höchsten Niederschlägen ermittelten die Wissenschaftler den 17. Juli, einen Gewittertag. Innerhalb von 24 Stunden prasselten 63 Liter Wasser pro Quadratmeter herab. So viel Regen fällt normalerweise in zwei Monaten. Diese Menge löste auf dem künstlich angelegten Hang erhebliche Erdbewegungen aus. Mehr als 100 Kilogramm an Sedimenten, so die computergestützte Analyse, wurden ausgespült.

Diplom-Geograf Reiko Liermann, der alle Daten auswertet, sagte: "In unserer Region fallen vergleichsweise wenig Niederschläge. Wenn es regnet, dann regnet es oft sehr stark." Und noch auf einen anderen Umstand verweist der 29-Jährige: "Die Unterschiede innerhalb der nördlichsten Weinbau-Region sind enorm." Während der Himmel über der ehemaligen Kippe die Schleusen öffnete, so Liermann weiter, fiel zur gleichen Zeit im fünf Kilometer entfernten Höhnstedt deutlich weniger Niederschlag. 48 Liter pro Quadratmeter hinterließen kaum Spuren auf den Hängen. Das Erdreich blieb an Ort und Stelle.

Die bisherigen Untersuchungen erlaubten den Wissenschaftlern eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen, für die sich inzwischen auch die anderen zwölf Weinbau-Regionen in Deutschland interessieren. Prof. Manfred Frühauf vom Institut für Geografie: "Es gibt sehr viele Anfragen." Man erhoffe sich vor allem Rückschlüsse auf verbesserte Methoden im Weinbau.

Als Variante, die sich auf dem neuen Dornstedter Weinberg bewähre, nannte der Geo-Ökologe den Anbau auf Rindenmulch. Diese etwa 15 Zentimeter starke Schicht aus Holzfasern bremse den Abfluss bei Starkregen. Das Land Sachsen-Anhalt fördert Frühauf zufolge das Projekt vorerst bis zum Jahr 2003.