Mitteldeutsche Zeitung 05.05.2003

Festakt zum Weinjahr  

 
Ausblick auf Weg zur «Toskana des Ostens»
Auftakt zu 1030-jährigem Jubiläum - Neun Orte bündeln Kräfte


Schöne Majestäten laden ins nördlichste deutsche Weinbaugebiet ein - Melanie I. (links), Weinkönigin an Saale und Unstrut, und Franziska I., die Höhnstedter Weinprinzessin. (MZ-Foto: Günter Bauer)

Höhnstedt/MZ.  Das Geheimnis um das 1030-jährige Weinjubiläum in der Region rund um die Mansfelder Seen ist gelüftet. Der Inhalt einer kaiserlichen Urkunde von 973, auf die sich die Weinbauern berufen, wurde am Sonnabend während eines Festakts in Höhnstedt erstmals verlesen. Aus dem historischen Dokument geht hervor, zu welchen Bedingungen dereinst ein Austausch von Ländereien inklusive Weingärten erfolgte.

Die Veranstaltung in der Kirche St. Lucien und Ottilien stimmte zugleich auf das wichtigste Projekt der Winzer ein - die Weinstraße Mansfelder Seen. Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke (CDU) lobte die Initiative, weil sie eine kleine aber feine Eigenart Sachsen-Anhalts wirkungsvoll zur Geltung bringen könne. Was auf den 91 Hektar Rebflächen heranwachse, so die Schirmherrin des Weinjahres, könne sich bundesweit sehen und schmecken lassen. Neben der Chance einer erfolgreichen überregionalen Vermarktung verstehe sie die Weinstraße vor allem als Angebot für Besucher aus den Metropolen Leipzig und Halle. Dazu müssten, riet Wernicke, die Beziehungen zum Kerngebiet des Weinanbaus an Saale und Unstrut aber noch intensiviert werden.

Der Landrat des Saalkreises, Knut Bichoel (CDU), sagte, dass die Weinstraße nur als Gemeinschaftswerk mit dem Mansfelder Land ein Erfolg werden könne. Das nördlichste deutsche Weinbaugebiet habe das Zeug, die "Toskana des Osten" zu werden. Dazu müssten alle Kräfte gebündelt werden. Hans-Peter Sommer (CDU), Landrat des Nachbarkreises, nannte noch einmal die an der Weinstraße beteiligten Orte - Unterrißdorf, Wormsleben, Lüttchendorf, Aseleben, Seeburg, Rollsdorf, Höhnstedt, Langenbogen und Zappendorf. Diese Dörfer verdienten alle nur mögliche Unterstützung. Das Tempo bei der Umsetzung der Idee, die laut Sommer im September vergangenen Jahres geboren wurde, dürfe jetzt nicht nachlassen.

Unbürokratische Hilfe für die Schaffung kleiner Schänken entlang der Weinstraße, so genannter Straußwirtschaften, erwartete Siegfried Boy, Präsident des Weinbauverbands. Nach seinen Worten würden Verwaltungen solchen Initiativen mitunter hohe Hürden in den Weg stellen. Das müsse nicht sein. Zugleich warnte Boy vor übertriebenen Erwartungen. So habe die vor zehn Jahren eröffnete Weinstraße an Saale und Unstrut zu Beginn zwar einen um zehn Prozent höheren Umsatz gebracht, der aber leider nicht von Dauer gewesen sei.

Während des Festakts gab es auch eine Ehrung: Höhnstedts Bürgermeister Uwe Ringleb (parteilos) zeichnete Gerlinde Kropp, Fritz Lange und Wilfried Rost für ihre Verdienste um den Weinbau mit einer Ehrennadel aus.