Mitteldeutsche Zeitung 04.10.2008 - Burgenland-Journal Wein-Tipp

 

Ehrlicher Zweigelt aus Höhnstedt.

Tafelwein von den Abtrünnigen

Dass es im Anbaugebiet Saale-Unstrut Wein der Rebsorte Blauer Zweigelt gibt, ist den Wirren der Planwirtschaft zu danken (siehe „Nebenbei“). Der Zweigelt hat aber längst einen festen Platz im Hier und Heute gefunden. Er schreit in guten Jahren geradezu danach, ihn in die 225 Liter fassenden Fässer aus frischem Eichenholz zu füllen, die man als Barriques bezeichnet und die einem guten, kräftigen Roten eine so ganz spezielle Note zu geben vermögen, die nach großer, weiter Weinwelt duftet und schmeckt. Wenn zwei Voraussetzungen gegeben sind. Vollreifes, gesundes Lesegut aus besten Lagen, saubere, gut gemachte Fässer, eher vielleicht in zweiter Belegung genutzt, damit das Holz nicht zu ruppig und dominant daherkommt.
Der 2006er, den Rene Schwalbe an den Mansfelder Seen gelesen hat, kam mit gut 95 Grad Oechsle vom Berg. Ein respektabler Wert. Und Schwalbe gab ihm Zeit. Niemand fordert von ihm solche einen Wein, der Markt schreit nicht danach - beste Chancen, einen Wein dann auf den Markt zu bringen, wenn der Wein bereitet und bereit ist. Schon in der Nase ist zu spüren, da juckt kein Span, reizt keine ausgepresste Vanille-Schote die erwartungsfrohen Nüstern, niemand brüllt: Schaut her, ich lag im Holz! Von ganz tief unten schiebt sich eine zarte Stimme leis’ ins Ohr: Ich habe einen adäquaten Partner gefunden. Geschmeidig künden Holz und Wein von ihrer Harmonie.
Hier hat man keinen Barrique im Glas, bei dem die Suche nach den Rebwurzeln einem Stochern im Nebel gleicht. Hier leuchten keine Pailletten auf frisch gebügeltem Revers, hier steht ein ehrlicher Wein, ein Spaßmacher, der keinen Essensbegleiter geben muss, es aber kann. Ein feiner Barrique, ein toller Zweigelt, ein Aushängeschild für Roten aus der Region Höhnstedt. Vermarktet als Tafelwein, weil die kleine Menge sich über Hörensagen von selbst verkauft und man Gebühren für die Bewertung sparen kann. Ganz im Stil der Mansfelder, die eben oft ein bissel anders sind.    MoRo

2006er Zweigelt, Mansfelder Seen, Tafelwein im Barrique gereift. Ab Gut für 12,50 Euro.

NEBENBEI
Gepflanzt wurde alles


Zu Beginn der Achtziger suchten die Winzer händeringend nach neuen Reben, doch, vom Westen abgeschnitten, konnte man nur im Ostblock fündig werden, das jetzige Landesweingut nur in Ungarn oder Tschechien ordern. Die Ungarn wollten Devisen, blieben die Tschechen. Und die konnten nicht mit den gewünschten Riesling, Müller-Thurgau oder Burgundern dienen. Was sie hatten, waren André, Neronet und St. Laurent. Und eben den Blauen Zweigelt. Gepflanzt wurde erstmal alles, um zu schauen, was in die Region passt. Von kleinen Flecken André abgesehen, blieb nur der Zweigelt, den das VEG Weingut Naumburg schon zu DDR-Zeiten in Flaschen füllte. Weil er sich gut machte, holten ihn sich inzwischen auch zahlreiche andere Winzer in ihre Rebberge. Und nun ist er hier heimisch.    MoRo