Mitteldeutsche Zeitung 18.08.2005

Abraumhalde ist nun Pastorenstieg

Geglücktes Weinbau-Experiment im ehemaligen Tagebau
von Ralf Böhme

René Schwalbe
 
Blick in den historischen Weinkeller zwischen Kernersee und Kelterberg: Dieser Tropfen kann sich sehen und schmecken lassen, meint Winzer René Schwalbe über seinen Wein vom Pastorenstieg. Der diplomierte Landwirt vollbrachte auf dieser Fläche in der Nähe von Stedten ein kleines Kunststück. Bis vor einigen Jahren war es eine Abraumhalde. Inzwischen gilt es als eine begehrte Südhanglage im Weinbaugebiet Mansfelder Seen. (MZ-Foto: Wolfgang Scholtyseck)
Höhnstedt/Stedten/MZ. Jetzt ist es amtlich: Die Weinstraße Mansfelder Seen wächst. Allerdings in eine Richtung, die vielleicht manchen überrascht. Stedten ist die nunmehr achte Gemeinde, in der man Weinbau professionell betreibt. Dort gedeihen die Rebstöcke auf ehemaligen Tagebau-Gelände.

Winzer René Schwalbe, Inhaber des Weingutes Rollsdorfer Mühle an der alten B 80, hält die Bestätigung in der Hand. Das Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung Weißenfels bescheinigt ihm, dass sein vor fünf Jahren begonnenes Experiment geglückt ist. Der diplomierte Landwirt und Absolvent der Martin-Luther-Universität: "Aus der Abraumhalde ist der Stedtener Pastorenstieg geworden." Die Bezeichnung stammt aus alten Landkarten, die die Gegend vor dem Bergbau widerspiegeln.

Mit dem zwei Hektar großen Sonnenhang verbinden Experten, die den Wein vor der Ausgabe der amtlichen Prüfnummer untersuchen, einen überdurchschnittlich guten Tropfen. Der Begriff der Spätlesequalität signalisiert süffigen Müller-Thurgau, Weißburgunder und Silvaner, der auch gehobenen Ansprüchen gerecht werden kann. Dem Wagemut der ersten Jahre folgt nun die Arbeit, die aus dem Grubengelände nach und nach eine einzigartige Kulturlandschaft macht. Schwalbe schwört dabei auf umweltgerechten Anbau. So blühen zwischen den Reihe der Rebstöcke viele Wildkräuter und Gräser. Der Grund: "Sonst bläst der Wind uns die Erde weg."

Die erste Abfüllung des "Stedtener Pastorenstiegs" haben Schwalbe und seine Helfer gerade beendet. Der Verkauf ab Hof beginnt am ersten September-Wochenende, wenn man zwischen Zappendorf und Unterrißdorf entlang der Weinstraße ein großes Winzerfest feiert. Dann ist voraussichtlich auch ein Ausflug auf den Tagebau-Weinberg möglich.