Mitteldeutsche Zeitung 06.09.2010 - Mansfeld-Südharz

Federweißer steht weitaus früher auf dem Tisch

VON KATHRIN LABITZKE, 05.09.10

Carmen Lenke

Ein Gläschen in Ehren: Carmen Lenke genoss einen tiefroten Schoppen im Weingut Rollsdorfer Mühle. (FOTO: KLAUS WINTERFELD)

 

ROLLSDORF/MZ. "Federweißer vom Frühburgunder ist heute der Renner", meinte Winzer René Schwalbe aus Rollsdorf, während er Nachschub dieses Tröpfchens holte. Nicht nur Bacchus, der Weingott, sondern auch der Wettergott ließen am Sonnabend das Hoffest bei Winzer Schwalbe in seinem Weingut Rollsdorfer Mühle für zahlreiche Besucher zu einem zünftigen und genussvollen Fest werden. Die Winzer von Seeburg und Höhnstedt (Saalekreis) hatten traditionell am Wochenende zum Winzerfest eingeladen.

Bei Winzer Schwalbe konnte der Federweiße weitaus früher als gewohnt probiert werden. "Die Wespen haben gemerkt, dass der Wein besonders süß ist, und so mussten wir die Reben des Frühburgunders schnellstens ernten", erklärte der Winzer. Er hatte Sorge, dass die Trauben durch die Wespenbisse Mehltau bekommen könnten. Normalerweise würde die Rebenernte erst in gut vier Wochen beginnen.

Auf insgesamt fünf Hektar Land baut Winzer Schwalbe Wein an, drei Hektar in den Bergen von Höhnstedt und zwei Hektar in Stedten. Darunter sind zum Beispiel die Sorten Müller-Thurgau, Riesling, Burgunder und Zweigelt. Etwa 5 000 Liter Wein pro Hektar produziert der 39-Jährige pro Jahr. Gekeltert werde selbstverständlich im eigenen Weinkeller.

In diesem Jahr wird er erstmals eine neue Sorte ernten. St. Laurent heißt dieser Rotwein und sei ein Juwel aus einer Kreuzung von Zweigelt und Trollinger. Mit dieser Weinkreuzung ist Winzer Schwalbe der erste und einzige Winzer in Sachsen Anhalt, der diese Reben angepflanzt hat. "Das Zulassungsverfahren für diese Sorte läuft momentan. Im günstigsten Fall erhoffen wir uns eine Ernte von 3 000 Liter", so der Rollsdorfer.

Wegen des Regens und des kühlen Wetters erwartet er in diesem Jahr einen durchwachsenen Jahrgang. Die besten Weinjahre seien 2003 und 2006 gewesen. Von diesen Weinen habe er noch wenige Flaschen "unter Verschluss".

Weinprinzessin Melissa Häßler aus Höhnstedt begrüßte ebenfalls die Gäste im Weingut Rollsdorfer Mühle. Sie repräsentiert zum ersten Mal das Weinanbaugebiet Mansfelder Land. Die 22-Jährige stammt aus einer Höhnstedter Hobbywinzerfamilie und arbeitet als Sachbearbeiterin auf der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle. "Ich freue mich auf zwei spannende Jahre und möchte unser Weinanbaugebiet noch bekannter machen." Sie kam in Begleitung ihrer Vorgängerin Kristin Große.