Mitteldeutsche Zeitung 30.09.2008

2008 ist «kein schlechtes Weinjahr»

Auftakt bei den Mansfelder Winzern Schwalbe und Strohm

VON RONALD DÄHNERT,
René Schwalbe
Auch Carmen Reißhauer hilft im Weinberg bei der Lese. (Foto: Jürgen Lukaschek)

SEEBURG/MZ. In ihrer Beurteilung der Regentage in der zurückliegenden Woche sind sich die Winzer René Schwalbe und Rainer Strohm einig, wenngleich sie unterschiedliche Worte nutzen. Schwalbe: "Der Regen war gut für den Boden, aber schlecht für den Wein". Strohm: "Der Regen war gut für die Reben, aber schlecht für die Ernte".

In diesen Tagen hat die Weinlese begonnen in den Anbaugebieten sowohl des Weinguts "Rollsdorfer Mühle" (Schwalbe) als auch des Weinguts "Schloss Seeburg" (Strohm). Beide Güter verfügen über Weinreben auf dem Gebiet des Mansfelder Landes und des angrenzenden Saalekreises, aber die Stammsitze der Winzer sind im hiesigen Kreis.

War 2008 ein gutes Weinjahr? Prinzipiell schon, meinen die Winzer, obwohl es im August eine längere Trockenperiode und halt im September die Regentage gab. Trotzdem schätzt Strohm 2008 als "kein schlechtes Weinjahr" ein. Sein Kollege Schwalbe wollte mit einem Urteil allerdings noch hinterm Berg halten. Aber ein Zuckergehalt von 94 Grad Oechsle beim derzeit gelesenen Frühburgunder sei schon gut, räumt Schwalbe ein. Auch Strohm sei mit 73 Grad Oechsle beim in der Vorwoche gelesenen Müller-Thurgau zufrieden.

Die Winzer haben in den kommenden Wochen mit der Lese alle Hände voll zu tun. Nach Schwalbes Worten habe er in den kommenden sechs Wochen damit vollauf zu tun, auch wenn ihm bis zu zehn Helfer zur Seite stehen, auf den fünf Hektar unter anderem auch noch Müller-Thurgau, Weißburgunder und Silvaner von den Reben zu holen. Strohm verfügt auf 2,2 Hektar Weinreben, an denen ebenfalls Silvaner sowie Portugieser reift.

Beide Winzer aus dem Mansfeldischen sind, obwohl schon Jahre im Geschäft, für manche Weinkenner noch immer "Exoten". Umso schöner sind positive Reaktionen auf die Weine vom Süßen See. So bekam Strohm kürzlich eine E-Mail aus Heilbronn in Baden-Württemberg, in der sich ein Weinkenner ganz begeistert äußert über den Wein aus dem Mansfeldischen.

Sehen die Winzer in den zahlreichen Straußwirtschaften, die sich rund um Höhnstedt etabliert haben, Konkurrenten? Beide verneinen die Frage. Die Wirtschaften würden im Gegenteil zahlreiche Weinkenner anziehen, von denen auch die etablierten Winzer profitieren.